Wir haben vergessen wer wir sind

Wir haben vergessen wer wir sind, weil wir Mythen aufgesessen sind. Mythen, die sich nicht als Mythen ausgeben und deshalb tief in unserem (Unter-)Bewusstsein eingewurzelt sind.

Mythen, die wie wichtige Ziele erscheinen, die unser Leben glücklicher machen werden.

Wir leben mit Mythen über uns. Mythen über unseren Körper. Mythen über unsere Sexualität.

Wir haben vergessen, dass in uns und unserem Körper alle Weisheit steckt, die wir brauchen. Wir haben vergessen uns selbst zuzuhören. Wir haben vergessen, dass Lebendigkeit und Leidenschaft zu uns gehören, wie unser Atem. Wir haben verlernt uns umfänglich zu vertrauen. In allen Lebensbereichen.

Es wird Zeit sich daran zu erinnern, dass die Liebe und erfüllte Intimität nichts mit Äußerlichkeiten, Methoden oder bestimmten Techniken zu tun hat. Erfüllte Intimität ist nicht abhängig davon wie Du aussiehst, wie Du riechst, wie Du Dich anhörst oder was Du leistest.

Wahre Leidenschaft kommt von Innen.

Viele Frauen haben keine Lust, weil sie gelernt haben sich im Außen zu orientieren. Was wird als attraktiv angesehen? Wie sollte ich aussehen, was sollte ich sagen, was sollte ich anziehen, wie sollte ich mich verhalten, was sollte ich attraktiv finden, was sollte mich mit Lust erfüllen?

Viele Frauen können deshalb nicht sehen, dass ihr Lustempfinden aus einem geheimen und magischen Platz in ihrem Körper entspringt. Ein Platz, den nur sie alleine kennen und erobern können.

Unsere kulturelle Konditionierung bringt Frauen oftmals dazu ihre Unlust als einen persönlichen Makel anzusehen. Sie fragen sich woher das kommt, was sie falsch machen, was mit ihnen nicht stimmt. Sie suchen nach Lösungen, um sich zu ändern und nehmen am Ende an, dass sie halt einfach wenig Lust haben, weil nichts der gut gemeinten Ratschläge wirklich etwas verändert.

Frauen können ihre Unlust als persönlichen Makel empfinden oder als Beweis dafür, dass sie den falschen Mann an ihrer Seite haben. „Wenn ich nur mit dem richtigen Mann zusammen wäre, dann würde ich auch mehr Leidenschaft empfinden“. „Wenn mein Mann mehr Muskeln hätte, wenn er stämmiger wäre, wenn er das richtige sagen würde.“ Jede Frau weiß, welches wenn ihr Gedankenkarussell zum Schwingen bringt.

Das ist ein Mythos, der unsere Vorstellungen von Beziehung, Liebe und Intimität in den Medien prägt. Der richtige Mann bringt Dich nur dank seinem Blick schon in Schwung und Du schmilzt dahin, wie eine Kerze in einer heißen Sommernacht. Diese Erwartung erfüllt viele Frauen mit unnötigen Beziehungsängsten, Unsicherheiten und Selbstzweifeln.

Besonders, wenn Frauen mit vorherigen Partnern oder in einer Affäre gegenteilige Erfahrungen gemacht haben. „Da war das mit der Lust kein Problem“. Meist werden diese lustvollen sexuellen Erfahrungen mit Partnern gemacht, die emotional nicht voll erreichbar sind. Partner, die sich nicht auf Verbindlichkeit einlassen. Auch am Anfang einer Beziehung kann es mit der Lust intensiver erscheinen.

In diesem Erleben, das viele Frauen teilen, aber selten darüber sprechen, zeigt sich ein weiterer unvorteilhafter Mythos. Nämlich der kulturell weitverbreitete Mythos, dass Verlangen Lust bedeute. Verlangen wird oftmals mit Lust verwechselt. Das zeigt sich daran, dass man möchte, was man nicht haben kann. Man beginnt sich zu beweisen, dass man das, was man nicht haben kann, doch haben kann.

Das führt dazu, dass Sex (unbewusst) als eine Möglichkeit genutzt wird, um Anerkennung und Wertschätzung zu erfahren. Dann lernen unsere Körper in Abhängigkeit von der Begierde eines anderen zu entflammen. Wir machen uns damit abhängig von den Blicken anderer, von dem Spiel aus Unnahbarkeit und Verführung, von dem Drama, das aus Haschen nach Aufmerksamkeit und Ungewissheit besteht. Ähnlich einem Maskenball für zwei, in dem sich niemand wirklich zeigt. Beide aber sicher sind. Es muss sich ja keiner verletzlich machen.

Wir haben fälschlicherweise gelernt unseren Wert als Frau und unser Lustempfinden mit der Begierde anderer zu verbinden. In fast jedem Film, jedem Roman, jeder Serie oder Artikel wird uns das suggeriert. Das ist ein Irrtum, der uns vielleicht umgibt, der aber unser Leben nicht bestimmen muss.

Wenn wir als Frauen ein gesundes und erfüllendes Lustempfinden erleben möchten und unsere Lust im Kontext einer liebevollen und verbindlichen Partnerschaft ausleben möchten, dann dürfen wir diese Vorstellungen alle loslassen und uns auf unser Innerstes besinnen.

Kategorien: Allgemein

2 Kommentare

Thomas · 1. Januar 2022 um 9:02

Hallo,
das von Dir Geschriebene ist auch für mich von hohem Interesse; es hilft mir vielleicht in Gesprächen mit meiner Frau. Daneben habe ich den den Eindruck, ich selbst könne als Mann mir davon etwas ableiten, wenn ich einzelne Passagen auf mich als Menschen beziehe.

Vielen Dank also; ich werde diesen Blog ab und zu besuchen und schauen, ob er etwas enthält, wovon ich menschlich ‚profitieren‘ ( blödes Wort ) kann.
Nette Grüße und ein gutes Neues Jahr 2022, Thomas.

    Ramona · 5. Januar 2022 um 18:05

    Hallo Thomas,
    das freut mich sehr zu lesen, dass du von meinen Zeilen profitieren kannst und hoffe, dass in meinen weiteren Beiträgen, auch etwas Interessantes für dich dabei sein wird. Falls du möchtest, kannst du dich auch für meinen Newsletter eintragen. Auch, wenn der bisher nur für Frauen gedacht ist, lesen auch Männer mit.

    Wünsche auch ein frohes neues Jahr 2022 & liebe Grüße,
    Ramona

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